Die weit verbreitete Annahme, dass chronischer Stress Haarausfall auslöst, wird durch konkrete biologische Belege aus aktuellen Forschungsarbeiten zunehmend gestützt.

Mechanismus

Chronischer Stress aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) und erhöht die Cortisol-Ausschüttung. Cortisol kann Follikel dazu veranlassen, vorzeitig von der Anagen- (Wachstums-) in die Telogen- (Ruhe-) Phase überzugehen. Tierstudien haben gezeigt, dass Corticosteron (das Nagetier-Äquivalent von Cortisol) die Expression des Gas6-Proteins unterdrückt, welches Haarfollikel-Stammzellen aktiviert.

Der entzündliche Signalweg

Erhöhtes Cortisol kann das Immunsystem in Richtung einer verstärkten Produktion pro-inflammatorischer Zytokine (wie TNF-α und IFN-γ) verschieben, was den Übergang des Haarzyklus von Telogen zurück zu Anagen negativ beeinflussen kann.

Ein sich selbst verstärkender Kreislauf

Eine 2025 in JAAD Reviews veröffentlichte Übersichtsarbeit stellte fest, dass Stress zwar ein Telogenes Effluvium auslöst, die psychische Belastung durch den sichtbaren Haarausfall jedoch die Stressreaktion zusätzlich verstärkt — wodurch ein sich selbst verstärkender Kreislauf entsteht.

Relevanz für die Transplantation: Stressbedingtes Telogenes Effluvium ist vorübergehend und in der Regel reversibel — bei aktivem, neu aufgetretenem diffusem Haarausfall wird daher empfohlen, den Stress zu bewältigen und der Erholung Zeit zu geben, bevor eine Operation in Betracht gezogen wird.